Stilrichtungen
Das Wissen über sich selbst und über den Gegner sind die Grundsteine für den Lernenden. Aus diesem Grund werden im Viet Anh Mon verschiedene Stilrichtungen geübt. Diese unterscheiden sich in den jeweils charakteristischen Kampfstrategien.
- BINH DINH: ein vietnamesischer Stil, welcher aus der Region Binh Dinh (Zentralvietnam) stammt. Dieser Stil wurde Ende des 18. Jahrhunderts entwickelt, als der Herrscher Quang Trung die Invasion der chinesischen Truppen abwehrte. Dieser Stil beinhaltet Formen (genannt quyen) mit blosser Hand und mit diversen Waffen (lange und kurze Stöcke, Schmetterlingsmesser, Lanze, Schwert, etc). Die Strategie dieses Stils basiert auf dem Prinzip der Gegensätze: kurz gegen lange Distanz, Weichheit und Flexibilität gegen Härte, Bewegung gegen Statik.
- THAI CUC DUONG LANG (T’ai Chi Tang Lang): (Shao-lin Zhou Gar = Shaolin der Familie Zhou): ist die Schule des T’ai Chi der nördlichen Gottesanbeterin. Es handelt sich um einen chinesischen-vietnamesischen Stil, welcher in Vietnam nach dem zweiten Weltkrieg von einem chinesischen Meister des T’ai Chi und des Tang Lang gegründet wurde. Thai Cuc Duong Lang unterscheidet sich von anderen Gottesanbeterinnen-Stilen durch die Fusion von Elementen der tradizionellen Tang Lang Schule und abgeleiteten Elementen des T’ai Chi Ch’uan. Im Bereich einer einheitlichen Schule findet man Quyens, welche sich durch schnelle Versetzungen und Gewandtheit (wiederholte Wechsel der Positionen und Attacken, welche in schneller Sequenz ausgeführt werden) auszeichnen, sowie Quyens, welche mit langsamen und kontinuierlichen Bewegungen ausgeführt werden (typisch für den sogenanten “inneren Stil”) charakterisieren.
- THIEU LAM CHU GIA (Shao-lin Zhou Gar = Shaolin der FamilieZhou): ist ein chinesisch - vietnamesischen Stil, welcher zur Gruppe der Südstile gehört. Der Stil gelang 1937 dank eines chinesischen Meisters nach Vietnam, welcher wegen des Japan-China Krieges aus China flüchten musste. Diesen unterrichtete er aber erst ab 1975 in Vietnam. Thieu Lam Chu Gia ist eine Synthese aus den verschiedenen Stilen Hung Gar, Choy Gar und Wing Chun. Charakteristisch für diesen Stil sind die tiefen und stabilen Stellungen und die Arbeit mit den Armen um die explosive Kraft zu fördern, damit am Schluss das maximale Potenzial in den Schlägen erreicht wird. Diese Elemente, eher typisch für den Hung Gar Stil, sind durch Techniken von langer Distanz aus dem Choy Gar Stil erweitert und von Techniken aus dem Wing Chun Stil abgeleitet, so dass eine besondere Vielfalt an Formen erreicht wird.
- VINH XUAN (Wing Chun): ist ein chinesisch-vietnamesischer Stil, dessen Name von Yim Wing Chun
(strahlender Frühling) kommt. Sie war die erste Schülerin der Nonne Ng Mui, die
den Stil, gemäss der Legende durch den Kampf zwischen einem Kranich und
einer Schlange inspiriert, schuf.
Die vietnamesische Schule entwickelte sich im Gegensatz zur chinesischen dank
eines chinesischen Meisters, welcher während des zweiten Weltkrieges nach
Vietnam kam. In diesem Stil werden die kurzen Positionen sowie der Nahkampf
ausgeübt. Das Training beinhaltet quyen mit blosser Hand, einzeln und paarweise
ausgeführt, quyen mit Atemtechniken und quyen mit dem so genannten “Mann
aus Holz”. Charakteristisch sind Techniken für die Sensibilität, wie Tam Kieu
(chinesisch Chi Sau), die “klebenden Hände”, bei welchen die Richtungen der
Kraft des Gegners studiert werden.
- BACH MI (Bak Mei = weisse Augenbraue): ist ein chinesisch vietnamesischer Stil, dessen Name von einem charakteristischen körperlichen Merkmal des Gründers, eines taoistischen Mönchs, abgeleitet wird, welcher weisse Haare und weisse Augenbrauen hatte. Es handelt sich um einen Stil des Südens, welcher seit 1955 auch in Vietnam verbreitet wird, anfänglich aber nur in der chinesischen Gemeinschaft. Charakteristisch für Bach Mi sind die frontale atypische Position (hinteres Bein gebeugt, die Schultern nach vorne , der Oberkörper nach innen, das Becken nach vorn) und die Techniken aus kurzer Distanz. Es handelt sich um einen typischen Stil der “kurzen Hand”, bei welchem die Hände nie auf die Seite zurück genommen werden und sich die Kraft in der nahen Distanz entfaltet, und zwar im Moment des Kontaktes mit dem Gegner. Eine typische Attacke ist die „Faust aufs Auge des Phönix“ (Phuong Nhan Chuy); das Ziel wird mit dem Mittelgelenk des Zeigefingers, verstärkt durch den Daumen, getroffen.
